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Montag, 22. Februar 2021

Ein bisschen muss ich seufzen bei Strangers in Paradise Bd. 3

Ach seufz. Während der Lektüre des dritten Bandes Strangers in Paradise, 2014 bei Schreiber und Leser 2014 als Sammelband auf deutsch erschienen, hat meine heisse Liebe zu Terry Moores epischer Soap ein paar Risse bekommen. Nicht so tief, dass ich die Aufholjagd zum aktuellen siebten Band abbrechen würde, dat nu nich...  Aber, ich will es kurz machen: Zu wenig Romantic und zu wenig Comedy für eine Romantic Comedy. Wo Katchoos kometenhafter Aufstieg in der Kunstwelt und Francines Probleme damit einen rasend guten Hintergrund abgegeben hätten, wo der gutmütige David und Kretin Freddy tolle Sidekicks für die komplizierte Beziehung der Beinahe-Lesbierinnen abgegeben hätten, dominiert - ich hatte es schon befürchtet -  Katchoos kriminelle Vergangenheit erneut die zweite Hälfte des Buches und ich muß mich durch eine zwar brutale, zwar gut gezeichnete, zwar mit überraschenden Wendungen gespickte Krimihandlung quälen, der es aber ebenfalls nicht an Langatmigkeit, uninteressanten Figuren und unplausiblen Situationen mangelt. Schreiber und Leser versäumt es auch in dieser Ausgabe, seine Leser/innen mit Editorischen Infos oder gar einer Covergalerie zu versorgen, was ich angesichts des Kultstatus' der Serie wirklich schwach finde. Das unterkühlte Ende ist dann aber wieder sehr ergreifend - da seufzte ich dann vor Rührung. Und war versöhnt.

Meine Leseeindrücke zu Band 1 und Band 2.


Sonntag, 20. September 2020

Strangers in Paradise Bd 2

Terry Moores Comic-Soap ist zwei Jahrzehnte lang an mir vorbeigegangen, und als Ende August in Hella von Sinnens Comic-Talk das Erscheinen der mittlerweile siebten Bandes besprochen wurde, mußte ich wegen unerwünschter Spoiler schnell wegschalten. Schließlich steckte ich ja da erst auf der Hälfte des zweiten Bandes, dessen lebenspralle 142 Seiten sich in angenehmen kleinen Häppchen verkonsumieren lassen. Dieses langsame Lesen scheint mir - zumindest was mich selbst betrifft - auch der angemessenste Umgang mit dieser schönen Romanze zu sein, die so angenehm 90er wirkt, schon allein weil die Figuren nicht ständig diese dämlichen Smartphones in der Pfote haben. Golden Age, seufz... 😉

Dieser kleine Beitrag fällt auch deshalb so dürfig aus, weil ich zu Band 1 schon alles Wesentliche geschrieben hatte. Auch meine Kritik bleibt: Warum gönnt Schreiber&Leser uns nicht ein paar editorische Notizen? Die vertrackte Liebes- und Freundschaftsgeschichte um Katchoo und Francine bleibt auf nicht zu aufwühlende Weise ergreifend, der Stil schwankt unentschieden zwischen cartoonig und ernst und trifft damit einen ganz eigenen Ton. Das Einstreuen von Gedichten, Prosa und Songs macht Strangers in Paradise zur kurzweiligen Comiclektüre mit ein wenig, aber nicht allzuviel Tiefgang. Der kriminalistische Teil der  Handlung wirkt lange Zeit etwas bemüht, endet aber dann  mit einem ordentlichen Knall. Die Rahmenhandlung schlägt einen tollen Bogen zum Beginn der Serie, und das letzte Kapitel ist ein kleines Geschenk an alle Kinder der 90er, die dieser Serie bis hierhin gefolgt sind und auch in Zukunft folgen werden, mit einer Mischung aus Nostalgie und sommerleichter Verknalltheit. Eine Zukunft, die ja auch längst wieder Vergangenheit ist - vielleicht ist es gut, daß ich erst jetzt angefangen habe zu lesen...



Freitag, 19. Juni 2020

Strangers in Paradise Bd 1


Strangers in Paradise machte den US-amerikanischen Comiczeichner Terry Moore einem breiten Publikum bekannt. Der deutsche Band 1 von 2013 vereint, wenn ich das richtig verstanden habe, die Volumes 1 & 2, die aus zunächst drei, dann 14 Heften bestanden und im Original von 1994 bis 1996 erschienen. Und wenn ich an die Adresse des Verlages Schreiber&Leser eines zu meckern habe, dann daß ich mich über eine kleine editorische Notiz gefreute hätte, um mir diese spärlichen Infos nicht selbst zusammensuchen zu müssen.
Ich bin schon mehr als einmal im Comicladen an SiP vorbeigelaufen, ohne daß die Reihe meine besondere Aufmerksamkeit erregt hätte. Jetzt hatte ich aber plötzlich Bock drauf. Rund 17 Euro sind für 344 schwarz-weiße Seiten ein okayer Preis, und große amerikanische Seifenoper im späten 20. Jahrhundert las sich auf dem Buchrücken irgendwie verlockend, vielleicht weil mir ein bißchen nach 90ern war. Nostalgisch gestimmt, erwartete ich ein Look-and-Feel á la Dawsons Creek oder Clerks - Die Ladenhüter, und allzu weit entfernt von dieser Erwartungshaltung war das Leseerlebnis dann tatsächlich nicht, und doch auch ganz anders. SiP ist zunächst einmal eine Dramedy-Romanze mit Krimi-Einsprengseln und transportiert mit der mal unbekümmerten, mal gefühlswallenden Selbstbezogenheit seiner Protagonistinnen, unförmigen Telefonen und seitenfüllenden Lovesongs tatsächlich ein authetisches 90er-Feeling. Francine und Katchoo waren Freundinnen seit ihrer Highschoolzeit und leben seit neustem wieder in einer WG in irgendeiner ungenannten Stadt zusammen. Die eine ist hübsch, naiv aber nicht dumm, eher Mauerblümchen als Rampensau und neigt zur Pummeligkeit, die andere ist taff, künstlerisch begabt, großmäulig und knabbert an ein paar Geheimnissen aus den Jahren, in denen sie ihre Freundin aus den Augen verloren hatte: Ihr Job als Callgirl, Verbindungen ins Mafia-Milieu, der frühe Tod einer großen Liebe. Das sind durchaus Frauenfiguren, wie Mann sie sich erdenken mag, doch Terry Moore vermeidet Eindimensionalität in der Charakterzeichnung und trotz freizügiger Handlung den comictypischen, leicht sexistischen Blick (der in einer Szene mit einem Leser von Bad Girls Comix - Skidmark vs The  Venus Butterfly herrlich parodiert wird). Wenn Wikipedia die Wahrheit sagt, hat das auch viele weibliche Fans zur Folge. Wirklich explizit wird es in den erotischen Szenen aber eh so gut wie nie, es bleibt amerikanisch-keusch.
   Zum Hauptpersonal gehören noch der verliebte David, das Arschloch Freddy (toll, wie man sich vor den schmierigen Nachstellungen dieses charakterlosen Kretins ekeln kann!), die kühle Darcy Parker und der Cop mit dem Schnurrbart, dessen Name mir grad nicht einfallen mag. Über die insgesamt 17 Hefte spinnt sich eine Handlung, der ich als Leser durchaus anmerken konnte, daß sie sich beim Schreiben entwickelt hat, ein wasserdichtes Exposee lag ihr wohl nicht zugrunde. Es ist anfangs eine gewisse Unausgewogenheit, die SiP so sympathisch zu lesen macht: Mal kommt eine Szene eher witzig-cartoonig rüber, eine Seite später ist der Zeichenstil ernst und erwachsen, gelegentlich bekommt ein kleiner Gag deutliches zuviel Fokus. Man kann Terry Moore dabei zuschauen, wie er im Laufe der Ausgaben zeichnerische und erzählerische Souveränität gewinnt und einen typischen Stil erst entwickelt. Dabei spielt er immer selbstbewußter mit Versatzstücken aus anderen Genres: Illustrierte Kurzgeschichten, ganzseitige Gedichte... Die Krimihandlung wird immer plausibler, die Gefühle tiefer. Und die Beziehung zwischen Katchoo und Francine, die zwar nicht lesbisch sind, aber sich doch so sehr lieben, wird ergreifend. Kitschig hingegen wird es nur selten, und in solchen Fällen finde ich: Die große amerianische Seifenoper des späten zwanzigsten Jahrhunderts kann sich das auch erlauben. Und da Seifenopern immer auch einen gewissen Suchtfaktor haben, werde ich sicher erfahren, wie es weitergeht.