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Dienstag, 9. Februar 2021

Something Is Killing The Children Vol. II

 

Diese Monster haben nicht einen Funken Disney in sich. Sie sind so kompromißlos abstoßend, daß Zeichner Werther Dell'Edera sich nur mit groben Strichen, fast wie mit den fettigschwarzen Wachsmalern aus der Kindergartenzeit, an ihre Darstellung traut. Als hätte der Schöpfer reale Angst, seinen Kreaturen durch Detailreichtum oder perspektivische Finessen mehr Leben einzuhauchen, als ihnen zustünde. Kolorist Miguel Muerto pimpt die teils sehr brutalen Szenen mit einem stechenden Rot. Das Blut, das in SIKTC geblutet wird, fügt sich in keine Gesamtästhetik. Oder mit einem Satz: Was hier passiert, ist nicht normal.

Im vergangenen Dezember berichtete ich über den ersten Band der taufrischen Horrorserie, dass mich die Geschichte um Erica Slaughter inhaltlich nicht gerade jubeln lasse, ich die Comics in ihrer gestalterischen Umsetzung aber hochspannend fände. An Letzterem hat sich nach der Lektüre des zweiten Bandes (der amerikanischen Originalausgabe im Softcover, das deutsche Hardcover aus dem Hause SPLITTER läßt noch auf sich warten)  nichts geändert, aber auch inhaltlich kommt das Ding allmählich in die Hufe. Monsterjägerin Erica ist also das talentierte Problemkind eines Ordens, der die Monsterplage bereits seit Jahrhunderten in Schach hält. Erwachsene können die bösen Biester in den Wäldern nicht sehen, aber wenn ihre Kinder verschwinden und getötet werden, tragen letztlich sie die Schuld. Denn generiert werden die spinnenähnlichen Kinderfresser aus der Angst der Erwachsenen. Wie genau das passiert, und welche Ängste das im Einzelnen sind, bleibt noch in der Andeutung, im graugesichtigen Sarkasmus der alleinerziehenden Mutter etwa oder in der Unbeholfenheit des Direktors bei der Leichenschau in der High School von Archer's Peak. In dieser Gemengelage ist Erica ziemlich taff, ziemlich ironiefrei, einzelgängerisch und wortkarg. Im Grunde ein Rolemodel für mißverstandene Teenager, und so gibt Boom!Studios das empfohlene Lesealter auch mit 13+ an. Die Handlung setzt zwar eher auf Atmosphäre und Dialog als auf treibendes Plotting, hat aber dennoch genug inneren Zug, um diese Altergruppe bei der Stange zu halten. Ebenso wie mich. Vol. III, das die Einzelhefte 11-15 zusammenfassen wird (und auch hoffentlich wieder eine so geile, überwiegend von Gastzeichner*innen gestaltete Covergalerie beinhaltet!), ist für Juni 2021 angekündigt


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